Zum eigenen Social Network an einem Wochenende

Kleine Trockenübung für das Startup Weekend. Schafft man es, an einem Wochenende ein Social Network komplett mit Marke und Plattform an den (Beta) Start zu bekommen? Mein Fazit nach diesem Wochenende – Ja! Wenn auch mit “wenn” und “aber”.

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Es lebt! Das Social Network “Hoodster” am Sonntag Mittag.

Ich bin ein Fan von Projekten, die sich schnell umsetzten lassen, wenn man sich reinkniet! Die Idee, ein regionales Social Network für Musiker und Künstler aus meiner alten Heimat dem Weser-Ems Raum aufzusetzten, geistert mir schon seit Wochen durch den Kopf. Und da in Hamburg dieses Wochenende eh ins Wasser fiel hab ich mich nach etwas Recherche im Vorfeld am Freitag Morgen an die Arbeit gemacht.

MyHoodsterBook?

Bereits Wochen zuvor habe ich das Projekt im Kopf durchgespielt,

es sollte ein Network mit dem Fokus auf Szene und Nachtleben mit regionalem Bezug sein. Über klassische Social Network Elemente wie Musik-, Video- und Bilderupload nach Myspace Vorbild sowie Netzwerkelementen sollte es den Mitgliedern ermöglicht werden, auf der Plattform neue Kontakte zu knüpfen und sich selbst darzustellen.

Den Namen für das Projekt hatte ich auch schon ergrübelt, Hoodster! Abgeleitet vom englischen “Hood” (Slang) also Nachbarschaft. Das bringt den regionalen Bezug rüber und hat zugleich noch etwas urbanes, szeniges. Die Domain habe ich in den Tagen davor gesichert.

Die Marke

Zunächst musste das ganze Projekt mal ein Gesicht bekommen. Mir schwebte ein szeniges Social Network vor. Da sich die Hauptzielgruppe aus freien Musikern, Graffiti Künstlern, DJs und ähnlichem Volk zusammensetzt konnte ich mich austoben.

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Als Grafiker ging mir diese Arbeit wesentlich schneller von der Hand als der Rest, schon nach zwei Stunden und dem ersten Kaffee des Tages nahm die Marke Form an. Der erste Wurf steht, am Claim muss ich noch feilen ;-)

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Die Plattform

Knietief im Quellcode?
Auch nach ewiger Recherche hatte ich keine Out of the Box Plattform für ein Social Network gefunden, wie sie es ja für Blogs oder CMS System en mass gibt.
Es zeichneten sich verschiedene Möglichkeiten ab:

- WordPress Community-Elemente beibringen
Vorteile:
Kostenfrei, sehr gute OS-Community, gutes Handwerksmittel um Content zu veröffentlichen, viele Plugins
Nachteile: WordPress ist eine Blogsoftware und für alles andere nicht ausgelegt. Viel Entwicklungsarbeit.

- Joomla mit Plugins zum Social Network machen
Vorteile:
wie WordPress, zusätzlich sind einige Plugins mit Web 2.0 Einschlag bereits vorhanden.
Nachteile: Joomla ist ein mächtiges CMS System, mit vielen Plugins. Allerdings ist es sehr viel Arbeit diese Plugins zu einer übersichtlichen und homogenen Plattform zusammenzuführen. Schlimmstenfalls entsteht ein Funktions-Urwald mit schlechter Usabilty.

Ning?
Nach einiger Recherche habe ich www.Ning.com entdeckt. Ning ist ein amerikanischer Anbieter für Social Networks, die sich quasi Jeder online in wenigen Schritten per Drag’n'Drop zusammenbauen kann. Die Networks werden von Ning gehostet. Ähnliche Ansätzte verfolgen derzeit auch deutsche Anbieter, wie www.mixxt.de und ein paar Hamburger Jungs (noch in Gründung). Die amerikanischen Kollegen sind derzeit jedoch weit voraus. Ning wartet schon jetzt mit mächtigen Funktionen auf während deutsche Lösungen noch beta testen. Nach der Closed Beta startet Ning im Februar diesen Jahres einen Relaunch mit einer fetten Finanzspritze.

An die Arbeit
Auf Ning ein Social Network zu erstellen geht in wenigen Minuten. Einfach eine Domain wählen, Template auswählen und die Funktionen auf der Startseite platzieren. Wer mehr möchte tobt sich in der CSS Datei zum Template aus. Die Angleichungsarbeiten fallen je nach Anspruch länger aus. Wer sein Network individueller machen möchte muss einen der Premiumdienste von Ning in Anspruch nehmen.

ning

Im Funktions-Himmel
Was Ning stark macht sind die vielen Funktionen. Neben der normalen Userverwaltung und Messagefunktionen stehen mächtige Contentwerkzeuge zur Verfügung, wie die eigenen Flashplayer für Videos, Musik und sogar Fotoslideshows. Die Player lassen sich im Youtube Stil mit Logos branden und per embedded Code überall einbinden. Großartig!

Alles kostenlos, aaaaaber….
Danach geht es an das Feintuning. Hier zeigt sich zum ersten mal der Nachteil des Fremdhostings. Über das Ning Admin Interface hat man Zugriff auf die CSS Datei des Templates. Will man mehr editieren muss man einen der kostenpflichtigen Premiumdienste in Anspruch nehmen. Die eigene Domain zum Social Network schlägt beispielsweise mit monatlich 4,95$ zu Buche, das entfernen der Google Ads von der Seite mit stolzen 19,95$. Dafür hat man dann über das Ning Admin oder per SSH Client Zugriff auf den Quellcode des eigenen Networks.

Ning Support im Jet-Lag
Die Kollegen sitzen in den USA. Das heisst während wir hier sitzen ist drüben tiefe Nacht. Und so kann eine Anfrage beim Support schon mal bis zum nächsten Deutschland-Tag dauern. Ab Freitag Spätnachmittag kamen dann gar keine Mails mehr vom Support (die Antworten kamen heute am Montag Morgen). Also lieber selber helfen, zu zahlreichen Themen hilft die Online Doku von Ning oder das Entwicklerforum.

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Sorry we don’t speak German!
Ning Networks sprechen derzeit nur Englisch, Französisch und Russisch. Was meinen Zeitplan also ordentlich aus den Fugen und mir eine Nachtschicht brachte war die grobe Übersetzung der 2200 Zeilen starken Sprachdatei. Eine harte aber nicht unüberwindliche Aufgabe. Ärgerlich: Der Upload funktionierte bei mir nur über das Ning Admininterface im Browser. Bei Fehlern verweigerte die Plattform sofort Ihren Dienst und die große Suche beginnt. Der Ning Support hat am Wochenende scheinbar keinen Dienst, also keine Hilfe von dort.

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Der Ziellauf

Sonntag Morgen elf Uhr in Deutschland. Das Social Network sitzt! Zeit ein paar Betatester auf die Plattform zu jagen. Dafür müssen eine Hand voll Kollegen aus der Skype Kontaktliste herhalten.

Ning? Hoodster?
Ning hostet das Netzwerk, wie derzeit 5500 andere Instant Networks, und lebt von der Tatsache dass dort jeder sein eigenes Netzwerk erstellen kann. Möchte man jedoch sein eigenes Netzwerk als Whitelabel-Dienst nutzen und pushen, kann einem das an manchen Stellen die Suppe versalzen. Per kostenfreien Premiumdienst kann man zwar Hinweislinks auf das Ning Netzwerk (“Get your own Ning Page for free”) entfernen, jedoch an manchen Stellen nicht verhindern dass User des eigenen Netzwerks auf Ning Seiten kommen.

Die Tester verwirrt, dass sie an manchen Stellen aus dem Social Network auf eine standartisierte, englischsprachige Seite des Network Hosters Ning geleitet werden. Dies lässt sich auch ohne harten Eingriff in den Ning Quellcode nicht verhindern. Ebenfalls kann man Kernfunktionen wie die schicke Ajax Ningbar mit den Netzwerkfunktionen derzeit nicht übersetzten, was wieder für Verwirrung sorgt.

Die Funktionen wie Video-, Mp3- und Fotoupload und das Abspielen über die gebrandeten Flashplayer funktionieren jedoch tadellos und machen Spaß. Das Netzwerk an sich steht als Betaversion tadellos da und schneidet bei den ersten Testern gut ab.

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Die www.Hoodster.de Startseite, wo das Loch klafft spielt eine Flashslideshow mit den neusten Fotos.

Fazit:

Das eigene Social Network an einem Wochenende ist möglich. Ning bietet mit seinen Instant-Networks ein mächtiges Werkzeug, das in wenigen Schritten zum eigenen Social Network führt. Die Funktionen sind schon jetzt sehr umfangreich, etwa der eigene Videoplayer mit embedded Funktionen. Stark!

Der Nachteil liegt ganz klar beim Fremdhosting. Es lässt sich derzeit nicht verhindern dass man seine User durch Querverweise auf die Ning Webseite verwirrt. Die 100%tige Übersetzung der Plattform ebenfalls noch nicht möglich, genauso wie das spiegeln der Webseite auf dem eigenen Server. Das bedeutet wenn bei Ning die Lichter ausgehen ist auch das eigene Network ausgeknippst. Wenn der Ning Support in den USA schläft sind auch Dir die Hände gebunden. Für Betreiber einer Whitelabel Plattform ein riesen Problem. Andererseits bietet das Fremdhosting die Möglichkeit, Dienste wie Videostreaming anzubieten ohne auf die Trafficuhr schauen zu müssen.

Derzeit bauen alle großen Social Networks auf eigener Technik auf. Die Hürde ein eigenes Netzwerke aufzubauen liegt also in der Programmierung der Plattform. Ning, und auch seine deutschen Mitbewerber die in den Startlöchern stehen, verfolgen einen guten Ansatz für private Social Networks. Das Netzwerk für den Kegelverein ist in Minuten kostenlos erstellt. Wer nach Whitelabel Plattformen sucht wird sich noch etwas gedulden müssen bis es etwas Vergleichbares als OS Version gibt.

“Sobald es Social Networks out of the Box gibt werden sie sterben!” hartes Brot was da von einem Bekannten kam, mit dem ich über das Projekt sprach. Da ist etwas wahres dran, ich erinnere mich an die Flut von Partyfoto-Seiten, als sich CMS Systeme etablierten. Die Entwicklung dorthin ist jedoch nicht aufzuhalten und wird vielen guten Startups den Weg erleichtern. Nach der großen Flut der Networks werden sich gute Dienste relativ schnell von schlechten absetzten.

PS: www.hoodster.de ist derzeit closed Beta, wer einen Testflug unternehmen möchte einfach eine Einaldung anfragen mit kurzer Begründung!

11 Comments on “Zum eigenen Social Network an einem Wochenende

  1. Pingback: Hoodster: Gelungener Testfall für StartupWeekend! « StartupWeekend Germany

  2. Wie Sven schon beschreibt finden sich einige Stolpersteine auf Programmiererseite wieder, die mir im Beta Test auch aufgefallen sind. AJax und Umleitungen auf NING sind dabei Stichworte. Ansonsten klasse Leistung, dass an einem Wochenende umgesetzt zu haben.

  3. Bitte! Keine anonymen Beta-Test Anfragen, oder würdet Ihr Unbekannte zu Eurer Party einladen? ;-)

  4. Pingback: www.best-practice-business.de/blog » Wie man virtuelle Communities aufbaut

  5. Pingback: TechieTalk: 43 Tools um ein eigenes Social Network zu bauen « StartupWeekend Germany

  6. 19$ monatlich um die AdSense Anzeigen rauszuschmeißen? Oder einmalig?

  7. Pingback: Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Der Auszug der Communities

  8. Pingback: Wordpress als CMS nutzen | webzweipunktnull

  9. Habe mit Interesse Deine Ausführungen gelesen.
    Habe leider nicht die Kenntnnisse sowas umzusetzen.
    Kannst Du mir helfen oder kennst Du einen der das kann?

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