Warum Social Media Projekte scheitern, und das gut so ist

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Beim gestrigen Social Media Club Hamburg sprach Dr. Nils Andres vom Brand Science
Institute über deren Studie “Why Social Media Projects Fail?! – A European Perspective”. Er und seine Kollegen haben über 500 Marketer von 52 Marken zu dieser Frage interviewt. Unter anderem mit dem Ergebnis, dass bisher 87% aller Social Media Kampagnen in Deutschland (Zahl nicht mehr hundertprozentig im Kopf, könnte auch europäischer Raum sein) in 2010 fehl schlugen. Dazu folgendes.

87% aller Kampagnen schlugen fehl. Na Gott sei dank, das bedeutet doch, dass in diesem noch sehr jungem Marketingbereich viel ausprobiert und getestet wurde, anstatt nur immer die selben, erfolgsversprechenden Mechaniken zu nutzen. Wäre die Maßgabe, eine (wie auch immer) erfolgreiche SM-Kampagne durchzuführen, würden spannende Tools wie Foursquare und Augmented Reality wie glühende Kohlen behandelt werden.

Wer legt fest wann eine SM Kampagne erfolgreich war? Unternehmen, Berater und Kunden haben da sicher verschiedene Ansichten. Während die Unternehmen sich über möglichst viele Kontakte freuen, jubelt der Berater bei nachweisbarer Konversation und Austausch zwischen Marke und Konsumenten. Für den Kunden zählt im Zweifelsfall nur, ob er bei der Aktion etwas gewonnen hat oder nicht. Im Social Web gilt es weiterhin, Erfahrungen zu sammeln. Dazu gehört, dass man auch mal Dinge probiert und etwas unkonventionelles wagt. Ich finde es ok wenn auch mal was in die Hose geht!

Derzeit drängen immer mehr SM-Berater und Agenturen mit Ihren Dienstleistungen in den Markt. In der Diskussion (die interessanterweise zu 95% von Beratern geführt wurde) ging es immer wieder auch um die gespannte Situation zwischen Unternehmen und denen, die Social Media predigen. Ja, predigen. Denn bei Manchen hört es sich so an, als wäre Social Media keine neue Marketingform, sondern eine Religion die es zu missionieren gilt. Der Berater erhellt den Raum und der Kunde lauscht den warmen Worten über Heiland Social Media.

Im Alltag ist das leider nicht immer so glanzvoll. Realistisch: Unternehmen spüren den Trend hin zum sozialen Web. Während andere Werbekanäle teilweise stark abbauen, herrscht hier viel Bewegung. Logischerweise entsteht da Beratungsbedarf. Da das Web 2.0 organisch und sehr schnell gewachsen ist, gibt es derzeit keine staatlich geprüften Fachkräfte mit Gütesiegel, die diesen Bedarf decken können. Folglich ist “Social Media Berater” derzeit ein ausgedachter Beruf.

Daran kann ich auch nichts schlimm finden. Was gibt es denn besseres wenn diese neue Marketingform von denen in Unternehmen gebracht wird, die schon früh ganz vorn dabei waren, und wissen, wobei es im Sozialen Web eigentlich geht. Nullnummern und Luftpumpen gibt es in jeder Branche. Ich traue auch (fast) jedem Markenentscheider zu dass er bemerkt wenn er Jemanden vor sich hat der weiß wovon er redet. Bis es den TÜV für SM-Beratungsdienstleistungen gibt müssen wir darauf vertrauen.

Zum gestrigen Social Media Club, schön dass wieder Bewegung in die Veranstaltung kommt. Schade dass unter den Teilnehmern fast ausschließlich Berater und Agenturen sind. Vielleicht sollte man zwei Teilnehmerlisten einführen um eine gesunde Mischung zu erreichen? 30 Plätze für Berater und 30 Plätze für Unternehmensvertreter. Die Location finde ich für Diskussionen schlichtweg nicht geeignet, da muss schnell etwas anderes her. Auch wenn der Ausblick aus dem Tower auf Hamburg großartig ist.

Hier noch die Studie des Brand Science Institute:

Die Präsentation von Dr. Nils Andres gestern findet sich hier: http://www.slideshare.net/Insidebsi/warum-social-media-projekte-scheiternund-warum-immer-mehrere-parteien-daran-beteiligt-sind

Feedback zum Social Media Club via Twitter: http://www.twazzup.com/?q=smchh&l=all

Siehe auch:
http://www.smchh.de/
http://www.facebook.com/smchh

15 Comments on “Warum Social Media Projekte scheitern, und das gut so ist

  1. Hallo Sven,

    danke für deinen Nachbericht zu unserer Veranstaltung.

    Das Teilnehmermanagement ist ja so eine Frage. Leider gibt es viele No-Shows und wir überlegen schon, eine Blacklist einzuführen. Zwei Listen einzuführen ist definitv mal einen Versuch wert.

    Um die Nachteile des Raumes wissen wir, die nächste Veranstaltung wird auch definitiv woanders stattfinden. Und für 2011 lassen wir uns einiges einfallen, versprochen!

    Achso, meinen Nachbericht gibt es hier:
    http://wp.me/pNBpa-gS

    Grüße,
    Jan

  2. Moin Jan, Blacklist finde ich nen ganz schön harten Schritt. Das Problem der Leute die sich anmelden und nicht erscheinen kennt wohl jeder Veranstalter. Da hilft meiner Meinung nach nur ordentlich Druck und Wirbel, etwa ein paar Tage vor dem Event täglich Reminder-Tweets und Mails via Xing-Teilnehmerliste.

  3. Ist schon richtig, dass die Anzahl Social Media Berater in den Ländern, in denen Social Media erwacht, plötzlich exponentiell steigt. Die Lösung aus den USA dazu ist absolut simpel, fragen was derjenige vorher gemacht hat, welches Hintergrundwissen der Berater hat und etwas gesunde Menschenkenntnis hinzufügen :)

  4. Blacklist ist über XING ja auch schwer zu verwirklichen. Säbelrasseln gehört dazu, aber Reminder-Mails müssen es das nächste Mal wirklich sein!

  5. Danke Sven, für diesen Nachbericht!

    Ich konnte gestern leider nicht dabei sein, aber so wie sich das liest, war es ähnlich wie beim letzten Mal: Viele Berater, die um sich selbst kreisen und leider wenig Austausch mit Unternehmen und deren Bedürfnisse.

  6. Pingback: segmenta pr • Blog » Blog Archive » Warum Social Media Projekte scheitern und Social Media noch eine Spielwiese ist

  7. Die o.g. Situation habe ich schon oft erlebt. Als Unternehmen ist es schlicht uninteressant zu Veranstaltungen zu gehen, wenn dort 1. kaum andere Unternehmen sind und 2. nur Berater etwas verkaufen wollen.

  8. Pingback: Why Social Media Projects fail: a study. : Web Jungle

  9. Pingback: Social Media Club Hamburg » Warum so viele Social Media Projekte scheitern und wie man das verhindern kann

  10. Berater und Unternehmer haben bisher noch alles ruiniert. So wundert es also nicht. Es braucht schon eine etwas andere Kreativität, als nur nach einem Weg zu suchen, scheinbare Bedürfnisse zu befriedigen und sich selbst die Taschen füllen zu wollen.

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