RIP Social Media Berater und Agenturen?

RIP Social Media Berater und Agenturen

Immer wieder blitzen Artikel der Marke “Der Tod der Social Media Agenturen und Berater” auf dem Relevanz-Radar der deutschen Blog und Medienszene auf. Immer wieder fasse ich mir an den Kopf. Verschwinden etwa bald alle freien Berater? Professionalisiert sich die Szene? Oder wird das gesamte Thema in Zukunft von der PR mit bedient?

Zunächst ein kurzer Rückblick. 2006 kam ich aus Bremerhaven nach Hamburg und fand hier eine wahnsinnig aktive Web 2.0 Szene vor. Viele interessante Menschen und Möglichkeiten, die mich im September 2009 dazu bewegten, meine Festanstellung bei einem Internetportal aufzugeben, um mich als freiberuflicher Social Media Berater ins Haifischbecken zu stürzen.

Die Kontakte und die Reputation die ich mir bis dahin aufgebaut haben, gaben mir einen netten Kickstart. Endlich machten sich bloggen, twittern und facebooken bezahlt. Eine wahnsinnig spannende Zeit, in der ich vom Schreibtisch in der WG bis zum CoWorking-Büro alles mitgemacht habe. Im Mai 2010 habe ich mir dann zum ersten mal laut Gedanken darüber gemacht, wie lang diese One-Man-Show-Geschichte wohl noch gut gehen wird.

Fakt war, ich arbeitete mittlerweile zu 90% für bekannte Werbe- und PR-Agenturen. Fast immer lieferte ich meine an Verschwiegenheitserklärungen gebundenen Konzeptchen dort ab und hatte eigentlich nie Kundenkontakt. Eine ziemlich unbefriedigende Situation, da ich so gut wie nie mitbekam, warum Ideen umgesetzt wurden oder eben nicht.  Obwohl Auftragslage und Bezahlung stimmte – man muß nicht besonders helle sein um einzusehen, dass das nicht lange gut gehen konnte. Ich verkaufte mein Know-How auf Raten an Agenturen, ohne langfristig davon zu profitieren. Direkter Kundenkontakt blieb mir bis auf einige Auftritte bei Workshops und Vorträgen meist verwehrt. Kurioserweise sorgte ich selbst dafür, dass das so bleibt. Denn die Unternehmen bekamen, ja meine Konzeptchen. Über ihre Agenturen für die ich arbeitete.

Das musste sich ändern, doch wie? Zwei Möglichkeiten:

  1. Pseudoagentur mit anderen Freelancern gründen
    Kam für mich nicht in Frage. Freiberufler sind allesamt Egos. Das müssen sie sein, da sie sich selbst vertreten. Auch wenn ich Jörn Hendrik Asts “Fluid Network” interessant finde glaube ich persönlich nicht dran dass das (für mich) praktikabel ist.
  2. Eigene Agentur gründen
    Selbst Räume mieten, womöglich Kredit aufnehmen, Leute einstellen und das ganze Zeugs? Ein krasser Schritt der gut überlegt sein will.

Glücklicherweise lernte ich über einen Job, bei dem ich auf einmal mit beim Kunden saß, meinen jetzigen Partner Pedro kennen. Wir fanden beide dass es an der Zeit wäre, Social Media Beratung als Agentur anzubieten. Nach ein paar Monaten beschnuppern gründeten im Januar diesen Jahres die beesocial GmbH. Wir beraten mittlerweile große Marken mit einem stetig wachsenden Team.

Was zum Geier hat das jetzt mit dem vielbeschworenem Aussterben der Rasse “Social Media Berater & Agenturen” zu tun? Aufgrund meiner gesammelten Erfahrungen erlaube ich mir mal folgende Thesen;

  1. Ob freier PR-Fuzzi oder Social Media Berater, wer sein Handwerk nicht versteht, der steht bald wieder beim Amt an. Völlig gleich welche ausgedachte Berufsbezeichnung er sich gibt.
  2. Um bestehen zu können braucht es Fleiß, Zuverlässigkeit, Kreativität und Mut. Wer aus der Masse hervor sticht, der gewinnt. Wer sich maximal funky präsentiert wird bis zur Rente als gut bezahlter, freier Berater durch die Lande tingeln.
  3. Die Geschichtenerzähler verlassen die Bühne. Wer sieben Jahre nach Einführung des Begriffs “Web 2.0″ noch bestehen will muss sich auch die Frage nach dem ROI gefallen lassen. Ansonsten ist er weg vom Fenster (wenn er nicht zu den Rockstars aus Punkt 2. gehört).
  4. Reine Social Media Dienstleister, die in der Lage sind intigriert zu denken, werden sich weiter durchsetzten. Da diese Disziplin nicht einfach von der PR mitgemacht werden kann. Es herrschen komplett andere Spielregeln. Beinahe jede Woche landet ein vermurkstes “PR Konzept dass auch supi im Social Web funktioniert” auf meinem Tisch, dass dies eindrucksvoll untermauert.
  5. Unternehmen holen sich im Social Web weiter blutige Nasen, schmeißen die Eierlegenden Marketingwollmilchsäue raus und suchen sich Profis. Sie wollen Dienstleister, die sich explizit mit den Themen rund um Social Media beschäftigen, wollen auf geballtes Know-How zurückgreifen.  Dies zeigt sich durch Pitchanfragen, bei denen ausdrücklich und ausschließlich der Social Media Part abgefragt wird.
  6. Gefragt sind Volldienstleister. Wer nach der Theorie mit den Achseln zuckt wird zukünftig das Nachsehen haben. Strategien wollen belebt, Konzepte umgesetzt werden.  Logisch spricht idealerweise der Angestellte für ein Unternehmen im Social Web, jedoch ist es die Agentur die Starthilfe gibt und für immer neue Impulse zuständig ist.
  7. Das Social Web erfindet sich ständig neu, ein weiteres Argument für Spezialisten! Denn nur wer die Zeit hat, stetig an den aktuellen Entwicklungen der Technologie und Soziologie dran zu bleiben ist in der Lage zukunftsgerichtete Empfehlungen zu geben. Das leistet kein Volo, der pro Tag 1,5 Stunden für Social Media Gedöns auf dem Stundenzettel hat.
  8. Bis in Unternehmen das Thema Social Media auf den Tisch kommt ist oftmals eine Menge Überzeugungsarbeit zu leisten. Wir erleben immer wieder, dass dieser Job am besten von externen Beratern mit unverstelltem Blick erledigt wird. Befürworter und Antreiber gilt es mit Argumenten und Antworten auf Fragen überkritischer Kollegen zu versorgen, bis die ersten Zaghaften Schritte gewagt werden.
  9. Zu guter Letzt: Bis – wie beispielsweise in den USA – bei uns an jeder Burgerbude ein fetter “Find us on Facebook” Aufkleber prangt ist es noch ein langer, langer Weg!

Kein Grund also, jetzt schon die Grabsteine auszusuchen! 

PS: Siehe auch die Blogpostings http://www.injelea-blog.de/2011/08/14/der-tod-der-social-media-agenturen-und-berater/ (eine romantische Abhandlung über PR-Helden, die die bösen Social Media Fuzzis am Ende doch besiegen werden) und http://danielrehn.wordpress.com/2011/08/13/gold-digger/ (der Verfasser ist scheinbar recht vernarrt über die Verbindung von Social Media und Goldrausch) .

30 Comments on “RIP Social Media Berater und Agenturen?

  1. Hi Sven,

    ich sehe es genauso. Man kann nur “überleben”, wenn man auch über den Tellerrand schaut und sich von der grauen Masse abhebt – egal in welcher Disziplin.

    Was nützt es, wenn Du ein selbst ernannter Social Media Guru bist, aber konzeptionell die einzelnen Kanäle, Ziele usw. nicht zusammen bringen kannst.

    Gruß nach Hamburg

    Marcel

  2. Schöner Artikel, der am frühen morgen meine Seele streichelt. All das Stirnrunzeln welches sich beim Blick durch die Gemeinde einstellt wird anschaulich erklärt.

    Das du zusätzlich das Handwerk ansprichst gefällt. All jene die ein Problem bei der Berechnung des ROI haben, sollten sich fragen ob sie ihr Hobby nicht als selbiges weiter betreiben möchten. Da ansonsten nach einem Jahr der Weg zum Amt unumgänglich wird.

    Eine Regel wird sich nie ändern. Es kommt darauf an was der Esel zu Fressen bekommt um was gutes hinten raus zu erhalten.

  3. Besonders getroffen habe ich mich bei dem Punkt der Zukunftsgestaltung gefühlt. Denn es ist genau dieses Problem. Viele Freelancer sind genau das: Große Ego-Player die im 9-to-5 Job im Angestellten-Verhältnis unglücklich werden und mit Magenschmerzen nach neuen Ideen suchen.

    Wobei ich mich nicht als Social Media Experten bezeichnen würde – diese Anglizismen sind dämlich.
    Es geht um Kommunikation, es geht um Werbung, es geht um Emotionen und Verbindungen.
    :) Geht auch ohne hippe Buzzwords…

  4. Sven, danke- klare Worte für eine unklare Branche auf der Suche nach sich selbst. Am echten ROI führt bei Firmen kein Weg vorbei. Daran ändert auch das WebX.0 nichts. Wir versuchen unsere Mitarbeiter zu trainieren, damit PR BS nicht beim Kunden ankommt.

    Was geht für Mitarbeiter in den Sozialen Netzen? Gestern hat das ZDF einen Beitrag über die Verwendung von Facebook & co in Firmen ausgestrahlt- der Beitrag beginnt bei 7:36.
    (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/1411890/heute-nacht-vom-15082011)

  5. Ein sehr gelungener Artikel! Ich selbst sitze in einer PR-Agentur und stehe täglich den Fragen des Kunden gegenüber, wie man Social Media integrieren kann. Obwohl ich in unserer Agentur bereits recht gut informiert bin was SoMe betrifft, mich weiterbilden lasse usw., werde ich wohl nie so gut wie ein externer SoMe-Berater meine Kunden beraten können, da mir schlichtweg die Zeit fehlt. Vielleicht stellen wir ja mal jemanden ein, der sich nur um die Thematik kümmert, aber bis dahin haben wir noch ein Stückchen weg vor uns.

  6. Aber Rechtschreibung zählt im Social Web doch auch, oder etwa nicht? ;-) Vor Veröffentlichung sollte man vielleicht noch einmal drüberlesen (lassen). Ansonsten: Netter Artikel und gute Thesen!

  7. @anniheb, Rechtschreibung als Form der künstlerischen Freiheit. Im Social Web verbucht man sowas auch unter “Authentizität” ;-)

  8. Okay, dann sehe ich das wohl etwas eng(er) ;-) Ich für meine Person bin authentisch, wenn ich über grammatikalischen Fehler mecker ;-)

  9. Yay! Der nordische Rockstar unter den Social Media Beratern und AgenturChefs hat geröhrt!

    Nice Article und probs für das Feature in der WuV, ich freue mich ja höchstpersönlich darauf dir zu beweisen das man das auch fluide hinkriegen kann!

    Was wir allerdings in der Gründungsphase auch merken, es ist verdammt wichtig ein klares Profil zu haben im Social Media Umfeld. Punkt 5 und 6 sind hiermit dreimal fett unterstrichen.

    Auch krass finde ich, dass mittlerweile die Kunden genau wissen was sie wollen, aber selbst in ihren eigenen Unternehmen gegen Widerstand zu kämpfen haben. Sprich es ist doch oft ein gemeinsames 2.0 Pläne schmieden, dass an der Umsetzung ordentlich hakt und schleift. Ich bin für Burgerbuden mit blauen Aufklebern! Hugh!

  10. Die Thesen gefallen mir und sind glücklicherweise gar nicht so romantisch wie wie mein Blogartikel :-) Ich hatte ihn sehr aus der PR-Brille geschrieben. Gezielt war er besonders auf die Social Media-Agenturen und -Berater, denen es um Social Media um Social Media willen geht, ohne Brille auf die Zielsetzung oder das Umfeld.

    Nach den Kommentaren zu meinem Artikel habe ich noch mal reflektiert und: Ich hätte ihn besser ausformulieren sollen. Spezialisierungen sind gut und gibt es auch bereits seit längerem. Wenn dann ein Spezialist aber beispielsweise ein “Presse-Berater” unbedingt Fachartikel platzieren will, das als Konzept verkauft, aber sich nicht mit dem Unternehmen beschäftigt, dann wäre das für mich im übertragenen Sinn auch ein Goldgräber, der Wüsten hinterlässt.

    Wie wäre es damit: Grabsteine für isolierte und vom vom Unternehmen/Einsatzzweck losgelöste Spezialisten, aber nicht für solche Spezialisten, die integriert planen und handeln können.?

  11. Danke für das tolle Feedback. Frank, nimm’s sportlich. Denn so ist es gemeint…!

  12. Ich glaube, dass viele Agenturen noch immer verzweifelt versuchen, mit den Methoden des Push-Marketings und der Massenmedien in der Pull-Landschaft des Web 2.0 zu punkten.
    In meinem Job als Creative Planner und Texter höre ich bis heute “Mach mal was auf Facebook” oder “Wir müssen auf YouTube” (für das Videos nichts kosten und eine wahnsinnige virale Wirkung entfalten). Die wichtigste Frage nach dem Warum, nach der Strategie, bleibt dabei meistens außen vor – auch bei den Kunden.
    Wenn auf Kundenseite blinder Aktionismus und auf Agenturseite nur ein unmotiviertes, gefährliches Halbwissen vorhanden ist, bin ich für jeden Experten dankbar – also, weiter so und viel Erfolg!

  13. Wo sind die Thesen? Ich lese nur Selbstverständlichkeiten. Gut, die muss man auch mal aussprechen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten, aber Thesen sollten dann doch schon etwas provokanter oder in die Zukunft gerichtet sein. Luther und so, anyoe?

  14. Hi Sven,
    Super Beitrag, sehr aufschlussreich. Ich bin auch der Meinung, wenn man sich im social Netzwerk bewegt, muss man auch immer in Bewegung bleiben, ansonsten “Shitstorm happens”. Gruß Jörg

  15. Zum Punkt 7 (der Rest ist ja schon vielerorts diskutiert worden): Das sehe ich nicht so – im Gegenteil, ich bemerke ein Plateau, auf dem wir uns befinden. Wenn man nicht jede kleine Änderung auf Facebook als bahnbrechend bezeichnet, passiert derzeit nicht wirklich viel. Die Plattformen sind etabliert, da wird es jetzt erstmal ruhiger.

    Ich glaube die ganze Diskussion geht in die Richtung Fachidiot vs. Allrounder. Und da hier wie immer die Mitte super ist (oder ein Connector-Typ, der die Fachidioten verbindet ;)) muss man Social Media Berater auch an ihrem Netzwerk messen.

    My fufzisch Pfennig,

    Christoph

  16. Ich komme aus dem Urlaub zurück und entdecke das Sommerloch?!
    Nichts gegen Deine Thesen, Sven, (eigentlich: vielen Dank dafür!), aber dass sie eine derartige Debatte auslösen würden, erstaunt mich auch im Nachhinein noch. Und selbst heute füllt die W&V damit weiter munter das Sommerloch. ;o) Ich kann jedenfalls nur bedauernd mit dem Kopf schütteln, wenn eingesessene Agenturen meinen, sie können das mal eben wuppen und eingemeinden. Und dass es immer mehr Interne in den Unternehmen gibt: Wunderbar! Ein Meilenstein auf dem Weg, den ich immer predige. Aber dann geht es ja erst mal los… ^^

  17. Ralf, ich denke nicht dass das ein Sommerlochthema ist, sondern eher eine längst überfällige Diskussion anschiebt. Ich kriege täglich mit wie viel Potential durch Wischi-Waschi Social Media Kampagnen verschenkt wird, in denen klassische PR-Denke auf’s Social Web übertragen wird. Das nervt, Zeit dass die Spezialisten mal aus der Blase heraustreten, meinst Du nicht? VG

  18. “Sommerlochthema” ist ein unzutreffendes Attribut und trifft den Kern der von Sven Wiesner entfachten Diskussion nicht. Vielmehr erleben Socialmedia-affine Menschen, die sich in Unternehmenskontexten bewegen einen Prozess, der sich durch folgende Extermpositionen beschreiben lässt:

    Auf der einen Seite finden sich die oft selbsternannten Social Media Berater, die die Web 2,0 bis 4.0-Weisheit gefressen haben, sich 24/7 feiern und (selbst-) bestätigen und keinen Bezug zu langjährig gewachsenen Kommunikationsformen und Strukturen in Unternehmen haben. Für diese Spezies ist es selbstredend einfacher, neue Formen von Workspacorganisation als die Lösung aller Kommunikationsprobleme zu propagieren, neue Online Konferenztools und das Leben in der Wolke als die Welt von nächster Woche zu beschreiben und gleichzeitig zu ignorieren, wie klassische Kommunikationsprozesse und Entscheidungsfindungen in Unternehmen real ablaufen. Diese Haltung führt imho in die Isolation (die allerdings außerhalb der Social-Media-Kreise nicht mal wahrgenommen wird und somit im besten Fall als Selbsfindungsprozess vieler Social Media Protagonisten funktioniert).

    Auf der anderen Seite melden sich etablierte Agenturen und entsprechende Marketing- und/oder Unternehmenskommunikationsmitarbeiter in den Unternehmen zu Wort. Anlass sind oftmals nicht strategische Entscheidungen sondern aktionistische Momente: die schon vorhandene Facebookpage des Mitbewerbers, die zu kostspieligen Stellenanzeigen oder die nicht funktionierende Rabattkampagne. Die Social Web Kanäle werden als simple zu bedienendes Zusatztool in offline geplante Kampagnen eingebaut oder – wenn der Vorgesetzte/Auftraggeber es hören will – als neue Allzweckwaffe ausgerufen. „Kann man mal eben schnell machen – kostet ja auch nicht so viel“. Wenige informieren sich täglich über (unternehmens-) relevante Entwicklungen und ordnen den gegenwärtigen Stellenwert von Facebook, Twitter und Co. bzgl. Koundenverhalten dementsprechend richtig ein. Wenige beschäftigen sich mit der Facebookakzeptanz der KollegInnen und ignorieren gewachsene Kommunikationsformen. Wenige sind bereit, „sich auch mal aus dem Fenster zu lehnen“.

    Wer etwas in oder mit Unternehmen bewegen will, sollte meines Erachtens folgendes beachten:

    - die Bedeutung des “innerbetrieblichen Online-Marketings” wird kaum wahrgenommen, obwohl dies ein entscheidender Schlüssel für den Erfolg von Social Media Maßnahmen darstellt.. Die Erkenntnis, dass Social Media alle Abteilungen von Marketing über Vertrieb hin zum Service angeht ist nicht neu – aber in klassischen Unternehmen noch nicht angekommen. Wertigkeit und damit zusammenhängend die Positionierung von Social Media Aktivitäten durch die Geschäftsführung sind in diesem Zusammenhang andere Indikatoren dafür, ob Social Media in klassischen Unternehmen ernst genommen wird. Social Media ist ein langer und mühsamer Überzeugungsprozess.

    - Gewachsene Strukturen und Hierarchien erfordern Geduld und die Bereitschaft, zu kommunizieren – per E-Mailverteiler, im Intranet, per Smalltalk auf Fortbildungen usw. Wer da über den eigenen Horizont hinausdenkt, kann Überraschungsmomente produzieren

    - Der Aufwand wird oftmals nicht angemessen bezahlt. Somit noch wichtiger, Social Media Maßnahmen immer wieder in das Unternehmen hinein zu kommunizieren und den Stellenwert zu erhöhen!

    - Sven Wiesner wirft die wichtige Frage nach dem ROI auf. Trotz vieler Monitoringmöglichkeiten gibt es diesbezüglich noch zu wenig wirklich überzeugende Messinstrumente. Die werden aber im Rahmen von Budgetierungen und Controlling immer (mehr) gefragt sein. Genau wie der Datenschutz sind die monetären Aspekte eher unangenehm-unkreativer Natur aber Grundvoraussetzung, damit Social Media Konzepte in Unternehmen ernstgenommen werden.

    Die von Sven Wiesner geforderten „Social Media Dienstleister, die in der Lage sind intigriert zu denken“ müssen begreifen, dass die Erreichung der Unternehmensziele letztendlich Maßstab für alle Social Media Konzepte ist. Der „unverstellte Blick des externen Beraters“ verpufft, wenn er Unternehmensrealitäten (auch hierarchische Strukturen) nicht wahrnimmt.

    Beste Grüße

    Sven Edlefsen

  19. Hallo Sven´s,

    der integrierte Ansatz ist definitiv der richtige und auch einzig konstruktive.
    Und genau so integriert wie die Social Media Maßnahmen “sein sollten”, muss auch die Ermittlung des ROI funktionieren.
    Die harten Zahlen, die anhand der Kanäle ermittelt werden können, sind oft nicht aussagekräftig genug und viel zu generisch. Damit können die Einzelerfolge der Maßnahmen belegt werden aber nicht die unternehmerischen Zielsetzungen.
    Zuerst muss sich überlegt werden, welche Bereiche (Service, Marketing o. Personal) von Social Media Maßnahmen profitieren sollen. Dann müssen die dort gültigen KPI´s betrachtet werden um sich anschließend zu Fragen welche Zahlen davon durch die SoM Maßnahmen beeinflusst werden und wie dieser Einfluss isoliert gemessen werden kann. Dies ist oftmals und dass wird angenommen keine Aufgabe des SoM-Monitorings, sondern der Web Analytics.
    Die Messung des ROI funktioniert folglich nur wenn Social Media volle Unterstützung des Unternehmens genießt und auch der Zugang zu internen KPI´s gewährleistet wird. Und da denke ich gibt es häufiger noch Probleme bzw. Hürden durch die Unternehmen

    Und so kommen wir wieder zu dem Punkt an dem wir uns alle einig sind: Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten und Social Media als Unternehmenshaltung etablieren bevor „ach so tolle“ Konzepte umgesetzt werden können.

    Die besten Grüße
    André

  20. Schade, dass meine verbalen Schläge die Diskussion über das Selbstverständnis von Social Media nicht vorantreiben. Das befruchtet letztendlich Diskussionen über Transparenz und Authentizität (auch in Unternehmen).
    Danke an @André, der meine volle Zustimmung findet. Allerdings sind betriebswirtschaftliche Kennzahlen ja offensichtlich nur bedingt tauglich, wenn Abteilungen den Einsatz von Social Media rechtfertigen und belegen müssen, wie erfolgreich die Facebook Kampagne denn nun wirklich war. Gleichwohl macht es Sinn, Daten zu sammeln und zu interpretieren und da passiert ja auch einiges,. Als Beispiel verweise ich nur auf Joachim Niemeier http://joachimniemeier.posterous.com/social-media-roi-tabelle-mit-tools-und-kriter, Socialnomics http://www.digitalbuzzblog.com/social-media-roi-examples-video-by-socialnomics/ oder auch die Untersuchung von Julian Jäger zum Thema Kundenservice http://www.kundenkunde.de/2011/08/kundenservice-via-social-media-umfrage-zeigt-angste-motivationen-und-fehlende-zukunftsperspektiven/.

    Offensichtlich kann die derzeitige Lösung nur eine ganzheitliche Betrachtung sein, wobei die von André angeführten Web Analytic Tools wichtige Informationen liefern. Dabei gilt es aber immer wieder, das Thema in das Unternehmen zu bringen. Die Personaler können das Social Media in Bewerbungsgesprächen thematisieren, die Messeverantwortlichen auf Optimierungsmöglichketien aufmerksam gemacht werden, den PR Abt. Social Media als Pflichttool nahegebracht werden usw. usw. Gerade klassische mittelständischen Unternehmen haben diesbezüglich Bedarf.

  21. Hallo Sven, Dein Blog-Post hat ja ganz schöne Wellen geschlagen. Das zeigt zumindest, dass die Lager zwischen den klassischen Kommunikationsdisziplinen und den “Social Media Experten” noch immer tief gespalten sind. Das spiegelt auch regelmäßig meine Kundenerfahrungen wider: PR arbeitet meist singulär, Marketing versteht CRM nicht, HR verantwortliche scheinen noch in den 1980er zu rekrutieren und für R&D Abteilungen sind die Möglichkeiten, die sich aus den Entwicklungen des Web2.0 ergeben haben meist ein Buch mit 7 Siegeln oder ein unüberwindbarer Gefahrenberg. Mit Social Media wird größtenteils noch sehr unintegriert umgegangen. Auch viele der sogenannten “Experten” bzw. “Beratern” haben ihre gute Mühe damit. Hier ist es oft schon zu viel verlangt, wenigstens online (wo idealerweise die meisten Social Media Experten ihre Kinderstube verbracht haben sollten) in Zusammenhängen und Kausalketten zu denken. Ganz zu schweigen von einer integrierten Denke im Zusammenspiel mit Offline-Maßnahmen. Hier wird schon deutlich: Wir brauchen Spezialisten und zwar mit Know-How in der Breite und in der Tiefe!

    Ob wir “Social Media” in ein paar Jahren als Begriff noch brauchen oder nicht, das sei dahingestellt. Spezielagenturen wird es sicherlich immer geben – in jeder Disziplin. Und das ist auch gut so. Ich denke unter Fachleuten herrscht hier (hoffentlich) kein Dissenz.

    Was sich wirklich verändert hat – und das muss nicht mehr lange zwangsläufig unter dem Label “Social Media” oder “Web2.0″ (etc. pp.) laufen – sind nicht unwesentliche Grundlagen der Kommunikation (nicht nur Massenkommunikation). Und hier sollten alle Bereiche – ob PR, Marketing, Servive oder auch Vertrieb – möglichst schnell mitziehen. Das Social Media Berater hier oft als Change-Manager fungieren (müssen) sei mal ganz nebenbei erwähnt.

    Das Themen und Fragen wie “Was möchte ich mit Social Media” überhaupt erreichen?” // “Wie sieht eingentlich mein “ROI” aus?” etc. nun verstärkt “hochploppen” ist eher ein Armutszeugnis und sicherlich auch ein Mitverschulden von “altgedienten” Beratern, die die Gunst der Stunde genutzt haben, als “Social Media” noch ein Trend-Buzzwort war.

    Ich finde also, dass die derzeitige Diskussion keine Diskussion zum Thema “Social Media” ist, sondern eine generelle Kompetenzdiskussion. Und hier tun sich wahrlich Abgründe auf. Danke also Sven für Deinen Artikel und Grüße nach Hamburg.

  22. Zunächst mal mein Posting vom 26.8. (bei mir wird immer “Comment is awaiting moderation angezeigt?!):
    Schade, dass meine verbalen Schläge die Diskussion über das Selbstverständnis von Social Media nicht vorantreiben. Das könnte z.B. Diskussionen über Transparenz und Authentizität (auch in Unternehmen) befruchten.
    Danke an @Andre , der meine volle Zustimmung findet. Allerdings sind betriebswirtschaftliche Kennzahlen ja offensichtlich nur bedingt tauglich, .wenn Abteilungen den Einsatz von Social Media rechtfertigen und belegen müssen, wie erfolgreich die Facebook Kampagne denn nun wirklich war. Gleichwohl macht es Sinn, Daten zu sammeln und zu interpretieren und da passiert ja auch einiges,. Als Beispiel verweise ich nur auf Joachim Niemeier http://joachimniemeier.posterous.com/social-media-roi-tabelle-mit-tools-und-kriter, Socialnomics http://www.digitalbuzzblog.com/social-media-roi-examples-video-by-socialnomics/ oder auch die Untersuchung von Julian Jäger zum Thema Kundenservice http://www.kundenkunde.de/2011/08/kundenservice-via-social-media-umfrage-zeigt-angste-motivationen-und-fehlende-zukunftsperspektiven/.

    Offensichtlich kann die derzeitige Lösung nur eine ganzheitliche Betrachtung sein, wobei die von @Andre angeführten Web Analytic Tools wichtige Informationen liefern. Dabei gilt es aber immer wieder, das Thema in das Unternehmen zu bringen. Die Personaler können das Social Media in Bewerbungsgesprächen thematisieren, die Messeverantwortlichen auf Optimierungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht werden, den PR Abt. Social Media als Pflichttool nahegebracht werden usw. usw. Gerade klassische mittelständischen Unternehmen haben diesbezüglich Bedarf.

    Beste Grüße
    Sven E.

    @ Reinhardt: volle Zustimmung!

  23. Pingback: Top Tweets der Woche | Social Media Expert

  24. Pingback: RIP Social Media Berater und Agenturen? « scientialvn

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>